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Veröffentlicht bei: – Jahr: 2026
Kategorie: Automobilfotografie / Blog
Rückblickend gesehen ist es sehr passend, dass dieser absolut außergewöhnliche Porsche 924 Carrera GTR in Canon-Lackierung vor uns steht. Und Werbung für eine AE-1 Program Werbung macht. Warum? Hundertstelsekunden und entscheidende Momente prägen sowohl den Motorsport wie auch die Fotografie. Und wie so eine Kamera bündelt auch dieser 924 Carrera GTR sehr viele verschiedene persönliche Geschichten von Rennfahrern, aber auch Konzernhistorie und Motorsport-Vergangenheit in sich. All das kann ich zwar heute nicht (mehr) mit meiner eigenen Kamera festhalten – aber zumindest textlich Revue passieren lassen.
Fangen wir mit der offensichtlichsten Storyline an: Dieser 924 GTR aus dem Jahr 1981 ist mit seinen gut 400 PS Leistung die ultimative Evolutionsstufe in der Porsche Transaxle-Historie. Erst recht, weil er kaum 1.000 Kilogramm wiegt. 1976 debütiert der Basis-924, das Konzept des zurückgeholten VW-Entwicklungsprojekts gilt als die Zukunft innerhalb des Porsche-Konzerns. Besonders in den Augen von Ernst Fuhrmann, dem Vater des legendären und gleichnamigen Motors. Mehr noch: Für Fuhrmann ist das bisherige Steckenpferd Porsche 911 gar ein Auslaufmodell. Insgesamt vier Transaxle-Baureihen entwickelt Porsche so bis 1995, vom 924 über den 928 und den 944 bis zum 968 – wie wir heute wissen, soll sich der 911 am Ende dann aber doch durchsetzen. Auch dank Fuhrmanns Nachfolger Peter W. Schutz, der 1981 in seiner dritten Woche als Porsche-Chef die Entscheidung zurücknimmt, den 911 einzustellen. Der Erfolg soll ihm recht geben.
Dennoch darf die »andere« Plattform auf der Rennstrecke zeigen, was in ihr steckt: 1980 zunächst in Form von 924-GTR-Werksfahrzeugen gestartet, sieht man 1981 dann auch (endlich) Kundenfahrzeuge. Eines davon: unser Chassis BS720006. Eines von gerade einmal 17 gebauten Fahrzeugen. Initial mit einem 2-Liter-Vierzylinder ausgestattet, wird es später für die IMSA-GTO-Klasse auf die heutige 2,5-Liter-Spezifikation umgerüstet. Inklusive breiterem Heckflügel und markanter Hutze auf der Motorhaube.
Wir halten fest: breit. Breiter. Dieser 924 Carrera GTR.
Gefahren wird der markante Transaxle dabei von Richard Lloyd, Andy Rouse und Jeff Allam. Lloyd ist auch der erste Besitzer des 924 Carrera GTR: Nach ersten nationalen Tourenwagen-Erfolgen mit Volkswagen und Audi kommt Porsche auf den britischen Gentleman-Driver zu und bietet seinem Team GTi Engineering den Wagen an. Lloyd lässt sich nicht bitten und bringt den Wagen mit Unterstützung von Canon in der Langstrecken-WM an den Start – sein Kaufbeleg ist bis heute vorhanden und liegt vor. Bei den 24 Stunden von Le Mans kommt es bei zwei Anläufen zwar nie ins Ziel, holt in der Langstrecken-WM aber mehrere Klassensiege. Bei den 1000-Kilometer-Rennen in Monza 1981, auf dem Nürburgring, in Spa und in Brands Hatch 1982 siegt der Wagen.
Als »Canon Racing« werden später auch Porsche 956 von Lloyd eingesetzt, ein gewisser Nick Mason von Pink Floyd greift zwischendurch ins Lenkrad, mit einer anderen Besetzung folgt ein Podium in Le Mans – und am Ende baut sein Team auch komplett eigene und erfolgreiche Varianten von 956 und 962C auf. Nach dem zwischenzeitlichen Ende des Canon-Sponsorings, der Gruppe C und seines Teams bleibt Richard Lloyd trotzdem weiter aktiv. Mitte der 1990er-Jahre gründet er das Team Audi Sport UK neu, startet wieder national, und landet mit dem Audi R8C wieder (semi-erfolgreich) in Le Mans.
2001 beschert Lloyd die vierte Marke aus dem Volkswagen-Konzern dann sein britisches Happy End: Als Leiter des nun zum »Apex Motorsport« umbenannten Teams darf er Bentleys Rückkehr nach Le Mans orchestrieren. Und holt auf Anhieb einen dritten Gesamtplatz. Die Krönung dann 2003 als Joint-Venture mit Jöst Racing: »seine« beiden Bentley Speed 8 holen einen Doppelsieg – und Richard Lloyd vollendet seine Le-Mans-Karriere gebührend, die einst mit diesem Porsche 924 Carrera GTR begann.
Und genau dieses Fahrzeug steht nun bei den Porsche Klassik-Experten und meinen Freunden von Ande Votteler zum Verkauf. Eine ziemlich einmalige Chance. So wie auch die Chance, ein so seltenes und bedeutendes Fahrzeug zu fotografieren. Mehr Infos findet ihr bald hier:
Und für die Statistikfüchse unter den Lesern – hier findet Ihr die gesamte Rennhistorie von Chassis BS720006 aus seiner aktiven Zeit zwischen 1981 und 1982:
– 1981 Monza 1000 Kilometer:
8. Platz in der Gesamtwertung und 1. Platz in der GT-Klasse
– 1981 Silverstone 6h:
11. Platz in der Gesamtwertung und 2. Platz in der GT-Klasse
– 1981 Nürburgring 1000 Kilometer:
15. Platz im Gesamtklassement und 2. Platz in der GT-Klasse
– 1981 24-Stunden-Rennen von Le Mans:
Nicht am Start aufgrund von Motorproblemen
– 1981 Brands Hatch 1000 Kilometer:
9. Platz in der Gesamtwertung
– 1982 Monza 1000 Kilometer:
DNF wegen Überhitzung des Motors
– 1982 Silverstone-1000-Kilometer-Rennen:
DNF
– 1982 Nürburgring 1000 Kilometer:
5. Platz in der Gesamtwertung und 1. Platz in der IMSA GTO-Klasse
– 1982 24 Stunden von Le Mans:
DNF - 6 Stunden und nach der Führung in der IMSA GTO Klasse versagt das Getriebe
– 1982 Spa 1000 Kilometer:
15. Platz in der Gesamtwertung und 1. in der IMSA GTO Klasse
– 1982 Mugello 1000 Kilometers:
DNF wegen eines Unfalls
– 1982 Brands Hatch 1000 Kilometers:
17. Platz in der Gesamtwertung und 1. in der IMSA GTO Klasse